Mit Maske unterwegs - und wie fühlen Sie sich dabei ?


Mund-Nase- Schutz - Maskenpflicht seit zwei Wochen. Es begegnen uns die unterschiedlichsten Exemplare: selbstgenähte, medizinische und handgestrickte. Wie fühlen Sie sich mit diesem Schutz? Bei mir lösen Masken Stress aus. Das fängt schon damit an, das richtige Modell zu wählen, welches schützt wen am besten? Puh, und dann der erste Versuch den Mund-Nase- Schutz zu tragen, sehr ungewohnt. Schon nach kurzer Zeit beginnt die Nase zu jucken und die Brille beschlägt. Ich erinnere mich: Auf keinen Fall von außen auf die Maske fassen! - Aber was mache ich bitte mit meiner Nase und sehe ich nicht wirklich unmöglich aus?

 

Mutig nehme ich dennoch den ersten größeren Ausflug mit Maske in Angriff. Überall Masken - über der Nase, unter der Nase, neben der Nase... Meine Maske beginnt sich dezent nach unten in Bewegung zu setzen. Ich halte den Kopf hoch.

Während ich vor einer Reinigung mit Abstand warte, beobachte ich durch das Schaufenster, wie sich die Mitarbeiterin an der Kasse durch einen riesigen Wäscheberg der Kundin vor mir kämpft.  Nachdem sie Märkchen und Kleingeld herausgegeben hat, schiebt sie sich sichtlich genervt ihr Maskenläppchen zur Seite, um sich Schweißperlen vom Gesicht zu wischen. Das Desinfektionsmittel steht einsatzbereit daneben.

Ich entscheide mich dafür, ihr erst einmal eine Verschnaufpause zu gönnen, bevor ich einzeln das Geschäft betrete, werde aber sofort maskengeschützt aus der Warteschlange heraus angezischt, ob ich nicht sehen würde, dass das Geschäft leer sei… Darüber kann aber muss ich mich nicht ärgern. Allerdings stelle ich mir  ernsthaft die Frage, ob es meine Aufgabe als verantwortungsbewusste Mitbürgerin ist, die völlig gestresste Mitarbeiterin darauf hinzuweisen, wie sie mit ihren Hände hantiere. Ich entscheide mich gegen meinen Kommentar und denke:`´´ In dieser Situation sind wir alle noch Anfänger! Stattdessen murmele ich in meine Maske: "Komisch mit diesen Masken, oder? " Sie nickt. Nachdem ich bezahlt und meine Märkchen in Empfang genommen habe, meldet sich erneut mein Unwohlsein. Ich nehme mir ein Herz und frage :  "Dürfte ich bitte etwas von Ihrem Desinfektionsmittel benutzen? " -  Während wir uns beide die Hände reinigen, treffen sich unbeholfen unsere maskierten Blicke.

 

Nur nach Hause seufze ich nach diesem Kurzausflug und versuche, mich mit Abstand und Augenmaß mit meinem Reinigungspaket  durch die vor dem Geschäft  wartenden Kunden zu schlängeln.  Geschafft! Allerdings wartet bereits das nächste Problem auf mich: Wann, wo und wie ziehe ich diese Maske wieder aus? Nachdem ich sie schließlich zu Hause mit spitzen Fingern am Bändel in einen Wäschesack manövriert habe, lehne ich mich erleichtert zurück, atme tief durch, bis mich der Gedanke durchzuckt:  Hände waschen! Du musst die Hände waschen, Du hast die Maske berührt! Ich schaue in den Spiegel - ohne Mundschutz - und sehe mich müde lächelnd .

"Irgendwie müssen wir an unserer Beziehung arbeiten... ", sage ich zu meiner Maske....

So geht das auf Dauer nicht weiter, das kann nicht sein, sagt eine innere Stimme in mir, dass diese kleine Maske mich so durcheinanderbringt. Also nehme ich mir eine Maske vor und schaue sie tief an. „Irgendwie müssen wir an unserer Beziehung arbeiten“, sage ich ihr im ernsten Ton, „mir geht es so nicht gut!“ Aber sie antwortet nicht! Hatte ich es mir schon gedacht. Genau das ist das Problem, dieses Schweigen! Oder müsste ich mir eher Sorgen machen, wenn sie anfinge, mit mir zu sprechen? Meine Güte, was für absurde Gedanken!

"Du kannst ja schließlich auch nichts dafür!", höre ich mich schon etwas versöhnlicher sagen, "Du bist eigentlich nur ein Stück Stoff und ein bisschen Vlies, aber Du kommst mir schon ziemlich nahe! Wie können wir besser miteinander klarkommen?"

 

So entscheide ich mich für ein kleines Experiment und versuche herauszufinden, ob es einen Unterschied macht, mit welchen Gedanken und Gefühlen ich auf diese Maske schaue.

 

Was spüre ich, wenn ich denke:

  • Oh nein – diese Masken – schrecklich –  wie unangenehm – überflüssig und schlicht peinlich!
  • Menschen mit Masken machen mir Angst!
  • Wie traurig, dass wir unsere Gesichter nicht mehr zeigen dürfen.
  • Dieser Covid-19 Virus bestimmt unser ganzes Leben. Das ist bedrohlich.

… und wie geht es mir, wenn ich mir vergegenwärtige:

  • Wie gut, dass ich mich und andere durch eine Maske wenigstens etwas schützen kann.
  • Masken ermöglichen uns trotz Virus weitere Handlungsfreiräume.
  • Ich bin neugierig, welche originellen Maske ich heute entdecken werde.
  • Wie froh bin ich, dass ich die Maske nicht immer tragen muss.

Ich horche in mich hinein und bin wirklich überrascht. Es fühlt sich tatsächlich komplett anders an, ob ich das eine oder andere Denken in mir lebendig werden lasse. Es ist fast so, als hätte sich sogar meine Atmung verändert. Ich atme meinen Maskenfrust aus und fühle mich ruhiger und optimistischer.

 

„Okay", sage ich nun mit warmer Stimme, während ich diese kleine Maske in meinen Händen halte, „du willst mich und Andere schützen. Lass uns auf Probe Freunde sein!  Aber nur, weil ich sicher weiß, dass ich dich auf und auch wieder absetzen kann!"

Jetzt spüre ich, wie sich eine wohltuende Gelassenheit in mir ausbreitet und dabei ein Funke Neugier auf unseren nächsten gemeinsamen Auftritt entsteht.

 

Mit herzlichen Grüßen

Ulrike Arras