Umgang mit Stress in Krisenzeiten


Deutschland und viele andere Länder sind „heruntergefahren“. Wir sollen und wollen zu Hause bleiben. Wir haben es verstanden, es geht um uns, um Solidarität in der Gesellschaft, aber darüber liegen Ängste in der Luft. Während uns täglich neue erschütternde Nachrichten aus aller Welt erreichen, scheint draußen herrlich die Sonne, das Frühjahr entfaltet seine ganze Pracht. Menschen entwickeln wunderbare  Ideen, um sich gegenseitig in dieser schwierigen Zeit zu unterstützen und zu entlasten. Viele sprechen von unwirklichen Zeiten.

 

Unsere Gesellschaft, unsere Welt stehen unter Stress. Stress entsteht, wenn unser Grundbedürfnis nach Sicherheit berührt wird. Wenn wir uns bedroht fühlen reagiert unser Körper intuitiv. Unsere Neurophysiologie und hormonelle Abläufe verändern sich. Diese Reaktionen sind normal und wichtig und laufen bei allen Menschen nach den gleichen Grundprinzipien ab. Genauso wie bei den Tieren versetzen sie uns blitzschnell in die Lage, bei Gefahr zu flüchten oder zu kämpfen.

Angst ist deshalb zunächst ein sinnvoller Stressmechanismus, der uns dabei helfen will, uns zu schützen.

Trotzdem die intuitive Reaktion auf Bedrohung bei jedem Menschen gleich ist, kann sie individuell unterschiedlich ausgeprägt sein. Das hängt entscheidend davon ab, wie wir eine Situation bewerten und wie wir unsere jeweiligen Bewältigungsmöglichkeiten einschätzen. Jeder Mensch reagiert entsprechend seiner Biographie, seinem Kontext, seinen Einstellungen anders.  Jeder Mensch hat sein individuelles Stressmuster.

 

Wie gehen wir persönlich mit der momentanen Krise um?

 

Aber wir können  trotz aller Betroffenheit immer wieder zu innerer Ruhe zurückfinden.  Andere Teile unserer Persönlichkeit aktiv werden lassen. Unser Nervensystem kann sich immer wieder beruhigen nachdem wir im Außen Gefahren wahrgenommen haben. Dabei ist wichtig, dass wir die Lage einschätzen und uns selbst als handlungsfähig erleben. Gute Beziehungen und Bindungssicherheit tragen zu  emotionalen Stabilität bei.  Wir können in uns Ressourcen wachrufen, unsere Aufmerksamkeit  auf unsere innere Stärke lenken. Dabei kann auch ein Gespräch mit Anderen hilfreich sein: Wie gehst Du mit Deinen Ängsten um? Was hat Dir schon geholfen?

 

Was aber, wenn wir uns zunehmend unter Stress fühlen, es immer schwerer wird, uns zu beruhigen - wir aus dem Lot geraten?  Wenn uns aktuelle Eindrücken und Nachrichten überfluten? Sei es , dass wir zusätzliche Arbeitsbelastung oder schwierige familiäre Bedingungen zu verkraften haben, seien es Sorgen um die Gesundheit, die das Denken bestimmen  - oder sei es etwas ganz Anderes.

 

 

Für Manche wird es zuerst durch körperliche Beschwerden spürbar, dass sie nicht mehr im Lot sind. Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Bauchschmerzen, Verspannungen können dafür Indikatoren sein. Andere leiden unter hoher Beunruhigung, Ängsten und Übererregung und Konzentrationsschwäche. Es gibt Menschen, die führen stundenlange erhitzte Diskussionen, andere vergraben sich in Internetrecherchen. Mancher verwickelt sich in Streitereien oder reagiert mit psychischer Labilität. Es ist hilfreich zu beobachten, an welchen Stellen wir zur Zeit anders reagieren als gewohnt.

Jede dieser Überreaktionen kann je nach Kontext als individueller Bewältigungsversuch in dieser Krise verstanden werden und vorübergehend sein. Schwierig wird es, wenn Stress und Ängste dauerhaft den ganzen Tag bestimmen.

 

Die Frage ist, wie wir unser Nervensystem unter Stress immer wieder neu beruhigen können, auch wenn wir unsere Umwelt  und uns selbst als zunehmend  unsicher erleben.

 

Folgende Schritte können jetzt hilfreich sein:

 

1. Informieren Sie sich einmal täglich (am besten zur gleichen Zeit) sorgfältig und treffen Sie Vorkehrungen, wie Sie sich und Ihre Mitmenschen bestmöglich vor einer Infektion mit dem Corona Virus schützen können oder welche Schritte im Krankheitsfall nötig sind.

2. Lenken Sie Ihre Aufmerksamkeit immer wieder dahin, wo Sie sich in ihrem Alltag  weiterhin sicher und wohl fühlen können.

3. Pflegen Sie  jeden Tag positive Gedanken und Gefühle.

4. Setzen Sie sich bewusst für diese besondere Lebenssituation Ziele. Strukturieren Sie Ihren Alltag dementsprechend um.

5.Planen Sie jeden Tag mindestens 30 Minuten für körperliche Bewegung an der frischen Luft  ein . (Das geht auch mit offenem Fenster zu Hause.)

6. Überlegen Sie jeden Tag neu, wie und wo  Sie für Andere hilfreich sein können und nehmen Sie selbst,wenn nötig  Hilfe, an.

 

 

In diesem Sinne wünsche ich uns Allen, dass wir aktiv die Schritte tun, die "Not - wendig" sind und gleichzeitig wohltuende Ruhe zu verbreiten, um so zur  Gesundheitsförderung beizutragen.

 

Wenn dieser Artikel hilfreich für Sie war, leiten Sie ihn sehr gerne weiter.

 

Mit herzlichen Grüßen

Ulrike Arras, Psychologin M.Sc.

 

P.S. Anbei noch ein Link von Hynose.de , der Selbstfürsorge- und Selbstberuhigungsübungen von namhaften Psychotherapeuten enthält, die hypnotherapeutisch arbeiten, die ich Ihnen sehr an Herz lege. Mit freundlicher Genehmigung und der Bitte der Autoren um Weiterverbreitung.

 

 

 

 

 

 

 

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